2015 ist das „Jahr der Orden“, so ließ Papst Franziskus im Herbst 2014 ankündigen. 


Weltweit sollte in diesem Jahr der Fokus auf diese besondere Lebensform gelegt werden.
Eine Herausforderung für die Ordensgemeinschaften ist, dass sie mit schrumpfenden
Mitgliederzahlen und Überalterung zu kämpfen haben. Wie sich präsentieren?
Welche „Aktionen“ sind noch möglich?  Ich wage die Behauptung, dass trotz Überalterung
die meisten Ordensgemeinschaften sehr nah am Puls der Zeit sind mit ihrem Engagement für
die Nöte und Hilfestellungen an den Menschen. Die meisten Klöster begleiten Menschen in Krisen,
versorgen Hungernde die auf der Straße leben, nehmen Flüchtlinge auf, kümmern sich um Hilfe
suchende. Klöster sind keine geschlossenen Orte, sondern laden ein, Kontakt auch innerhalb des
Klosters auf zunehmen und bei Angeboten aktiv dabei zu sein.

Hier in Rif bin ich Ordensfrau, als Pfarrassistentin angestellt. Für viele in der Pfarre bin ich,
dank des Ordenskleides, sofort der christlichen Gemeinschaft, d.h. der Kirche zuzuordnen.
Das erleichtert die Kommunikation im Ort, wenn ich beruflich unterwegs bin, oder Besuche mache.
Als Schwester der 
Hl. Eucharistie möchte ich ihnen meine Gedanken zum Ordensleben darlegen.

Was hat mich an dieser Lebensform gereizt und was sind die Herausforderungen?

*Die Faszination der Person Jesus

Im Lesen der biblischen Schriften wurde mir Jesus und seine Botschaft von einem
„Gott des Lebens“ immer wichtiger und durch das Kennenlernen eines neuen Kirchenbildes, 
über  die  „Bewegung für eine bessere Welt“, wollte ich meine Fähigkeiten in den Dienst der
Kirche stellen um so von der Menschenfreundlichkeit  Gottes Zeugnis zu geben.
Nahezu 25 Jahre arbeite ich jetzt schon im kirchlichen Dienst und es war ein buntes vielfältiges
Berufsleben, an dem ich persönlich gewachsen bin und meine Freude habe.

*Die Herausforderung eines neuen Lebensstils

Zusammenleben mit Gleichgesinnten, Gütergemeinschaft, ein einfacher Lebensstil,
trotz Bindung viel Freiheit, aneinander wachsen, füreinander da sein, Grenzen erfahren und
Versöhnung leben, gemeinsam träumen und Neues wagen, den Menschen in ihrer
Not beistehen und mit ihnen auch die Freude teilen, nicht alles haben müssen,
miteinander feiern und dankbar sein,  sind einige Details zum klösterlichen Lebensstil.  
Allerdings braucht es eine gewisse Standfestigkeit und Verwurzelung im Glauben um
den Verzicht einer Partnerschaft auszuhalten.
Die gleichen Eigenschaften sind aber auch für eine durchgehaltene Ehe notwendig.

*Den Mut ungewöhnliches zu wagen

Auch heute fühlen sich Männer und Frauen von der Botschaft Jesu angesprochen und
suchen nach einer Antwortmöglichkeit. Es ist nicht einfach, in Zeiten kirchlicher Entfremdung
einen religiösen Lebensstil  zu pflegen, ohne gleich als „verrückt“ abgestempelt zu werden.
Das Leben in einer klösterlichen Gemeinschaft bietet einen Rahmen dazu und hilft mit
Spiritualität zu leben und Gott im Alltag zu entdecken.  Religiöse Bewegungen und
Gemeinschaften sind Anlaufstellen der Spurensuche.  Immer aber sind es Menschen,
die ungewöhnliches wagen, die uns faszinieren und zum Mitmachen einladen.

                                                                              Sr. Margaretha CSSE

 

teiler

„Christlich leben in der Welt von heute“, so der Titel der diesjährigen Pastoraltagung im Januar
in St. Virgil. Über dreihundert Christinnen und Christen, mit hochkarätigen Referenten, machten
sich Gedanken zur Lage des Christseins heute. Verschiedenste rel. Gruppen und Erneuerungsbewegungen
stellten sich vor und gaben viele Gesprächsanregungen bei den Arbeitskreisen. Bischöfe, Priester,
hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Ordensleute gaben ein buntes Bild der Kirche vor Ort. Erfahrungen
aus den Gemeinden wurden analysiert und präsentiert, biblische Texte, sowie Aussagen von Papst Franziskus
wurden uns ans Herz gelegt. Auch das miteinander Feiern unseres Glaubens kam nicht zu kurz.
Vielleicht haben Sie einiges von dieser Tagung über die Medien mitbekommen?

Es hat gut getan, die Fülle der Eindrücke etwas sitzen zu lassen und zu schauen was an Einsichten
hängengeblieben ist. Gerne teile ich mit ihnen einige Gedanken zum Christsein heute.
Z.B. Dr. Andreas R. Batlogg SJ präsentiert ein paar Blitzlichter aus „Evangelii Gaudium“ von Papst Franziskus:

  • „Ich werde nicht müde, jene Wort Benedikts XVI. zu wiederholen, die uns zum Zentrum des Evangeliums führen:
    ‚Am Anfang des Christseins steht nicht ein ethischer Entschluss oder eine große Idee, sondern die Begegnung
    mit einem Ereignis, mit einer Person, die unserem Leben einen entscheidenden Horizont und damit
    seine entscheidende Richtung gibt.‘“(EG 7)
  • „Ich sehe ganz klar, dass das, was die Kirche heute braucht, die Fähigkeit ist, die Wunden zu heilen und
    die Herzen der Menschen zu wärmen – Nähe und Verbundenheit. Ich sehe die Kirche wie ein Feldlazarett
    nach der Schlacht. Man muss einen schwer Verwundeten nicht  nach Cholesterin oder nach hohem Zucker
    fragen. Man muss die Wunden heilen. Dann können wir von allem Andern sprechen.“ (Interview,47 f.)
  • „Ich träume von einer missionarischen Entscheidung, die fähig ist, alles zu verwandeln, damit die Gewohnheiten,
    die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur ein Kanal werden, der mehr der
    Evangelisierung der heutigen Welt als der Selbstbewahrung dient.“(EG 27)
  • „Häufig verhalten wir uns wie Kontrolleure der Gnade und nicht wie ihre Förderer.
    Doch die Kirche ist keine Zollstation, sie ist Vaterhaus, wo Platz ist für jeden mit seinem mühevollen Leben.“(EG 47)

Natürlich sind viele Inhalte in dieser Kürze nicht zu vermitteln aber eins ist mir auch klargeworden,
als Christ heute leben heißt, sich an der Person Jesu, der uns in seiner Menschwerdung Gott nahegebracht hat,
neu zu orientieren. Sich bewusst zu werden, dass jede und jeder durch die Taufe eine Berufung hat,
die in einer priesterlichen, prophetischen und königlichen Würde liegt. Dass die Kirche, die Summe aller
Christen ist und daraus notwendig auch eine Struktur braucht. Diese Institution, hat es nicht leicht in einem
globalen  Christentum, den vielfältigen  Erwartungen der Christen in den verschiedensten Kulturen  gerecht
zu werden und gleichzeitig wesentliche Inhalte zu tradieren. 

Ich lade ein, den Fokus, weg von der sogenannten „Amtskirche“, hin zu den Schwestern und Brüdern,
den Gläubigen vor Ort, zu legen.

Sich im Glauben gegenseitig zu stärken, im gemeinsamen Hören auf die Frohe Botschaft, im Wahrnehmen
von Notsituationen der an den Rand gedrängten Mitmenschen. Die Welt mit ihren Gefährdungen nicht ausblenden,
sondern ins Gebet nehmen und der eigenen Verantwortung nachspüren. Orte oder Gemeinschaften suchen,
die mir gut tun und mich in meiner Sehnsucht ansprechen. Biblisch gesprochen heißt das Umkehren und
sich wandeln lassen, neuwerden – auferstehen. so wird die sonntägliche Versammlung zum ersten Sakrament,
das Kirche vor Ort bildet und das ganze Leben, von der Geburt bis zum Tod, in den Blick nimmt. Scheitern und
Gelingen sind aufgehoben in der Verheißung des „Lebens in Fülle“(vgl. Joh 10,10) das Jesus allen verheißt,
die sich ihm anvertrauen. Die „Vierzigtagezeit“ lädt uns ein, in den biblischen Texten und dem achtsamen
Umgang mit Mensch und Welt, diesem Lebensgeheimnis, das wir zu Ostern feiern, in unserem Leben
nachzuspüren und daraus Hoffnung und Kraft für gelingendes Leben zu schöpfen.

                       

                        Ihre Sr. Margaretha